Arena Redaktion, 18.06.2021

Sonnwendfeuer - Hinter den Kulissen

Mit Leib und Seele dabei

Christian Hohenegg ist seit beinahe fünf Jahrzehnten ein fester Bestandteil bei den Sonnwendfeuern in der Tiroler Zugspitz Arena. Im Interview gewährt er uns einen spannenden Blick hinter die Kulissen.

Christian, wer kann bei den Sonnwendfeuern in der Tiroler Zugspitz Arena mitmachen?
Christian Hohenegg: Grundsätzlich jeder, der Spaß daran hat. Es gibt bei uns in der Tiroler Zugspitz Arena verschiedene Gruppen, in unserer sind wir zu 16. und haben jedes Jahr eine mords Gaudi! Und wir lassen uns immer wieder aufs Neue sehr schöne Motive einfallen.
 
Wie lange bist du bereits dabei?
Christian: Ich mache das jetzt schon im 43. Jahr. Ein Jahr musste ich aussetzen, weil ich eine Verletzung hatte. Aber sonst war ich immer dabei. Bei uns kennt man die Sonnwendfeuer ja wirklich schon seit der Kindheit, daran kommt man quasi nicht vorbei. Und als junger Bua, mit zehn oder elf Jahren, hab ich meinen Firmpaten mal gefragt, ob er mit uns Jungen zu den Bergfeuern gehen würde. Seitdem bin ich bei den Sonnwendfeuern und auch viel herumgekommen. Ich war ungefähr 20 Jahre auf der Zugspitze, danach auch am kleinen Sonnenspitzl, am Igelskopf und am Tajakopf – also eigentlich überall. Und jetzt bin ich seit 14 Jahren oberhalb vom Wettersteinlift in Ehrwald.
Welche Aufgaben habt ihr im Vorfeld, bis euer Motiv bereit zum Anzünden ist?
Christian: Für uns geht die Arbeit an den Sonnwendfeuern natürlich schon einige Wochen vor dem eigentlichen Termin los. Wir gehen zum Beispiel mehrmals hoch zu dem Platz, an dem wir später das Motiv auslegen, und richten den Unterstand her. Dann müssen wir die Säcke herrichten, die später angezündet werden …
 
… also werden die Motive aus Säcken gelegt?
Christian: Ganz genau. Das sieht man auch von unten gut: Die Bilder bestehen aus lauter kleinen Feuerpunkten, die ein großes Ganzes ergeben. Wir nehmen hierfür mit Sägemehl gefüllte Säcke her und tränken die in Rapsöl. Dieses Jahr kommen wir auf stolze 570 Stück. Die werden wiederum in größere Säcke gepackt, damit wir sie gut auf dem Rücken transportieren können. Da wiegt einer schon mal 25 Kilogramm. Bis wir die alle zu Fuß oben haben, geht jeder von uns gut und gerne nochmal zwei- bis dreimal rauf und runter. Reine Gehzeit sind das jeweils etwa 1,5 Stunden.
(c) Tirol Werbung / Bert Heinzlmeier
Also auch eine sportliche Angelegenheit. Daneben braucht es Kreativität: Wer überlegt sich und plant die Motive denn?
Christian: Grundsätzlich hat unsere Gruppe einen bestimmten Rhythmus bei den Sonnwendfeuern: Heuer ist ein christliches Motiv dran, nächstes Jahr kommt ein Tier und übernächstes Jahr eine Blume. Wir hatten zum Beispiel schon eine Rose und einen Enzian, aber auch schon einen Steinbock. Um ein Motiv zu gestalten, setzen wir uns mit unserem Planer Christoph zusammen und besprechen, was wir möchten. Im Anschluss zeichnet er das komplett und rechnet aus, wie viele Säcke wir brauchen, wie groß das Motiv wird, etc. Wir bereiten dann 30 Säcke mehr vor, als berechnet, falls etwas kaputt geht oder so.
 
Nach all der Vorbereitung ist dann der große Tag gekommen. Wie läuft der üblicherweise ab?
Christian: Wir treffen uns morgens bei mir zu Hause, das ist immer so gegen halb 8 bis 8 Uhr, und trinken noch gemütlich eine Tasse Kaffee. Ich fahre in der Zeit kurz zur Feuerwehr, die entscheidet, ob die Sonnwendfeuer in diesem Jahr stattfinden können oder ob das Wetter zu schlecht dafür ist. Und dann fahren wir mit den Jeeps hoch zum Wettersteinlift und spazieren zu unserem Platz. Dort frühstücken wir noch eine Kleinigkeit und fangen etwa um halb 10 Uhr an, das Motiv auszulegen. Mittags gibt es auch eine kurze Pause, wenn wir in der Nähe vom Unterstand sind. Da grillen wir immer, bevor es weitergeht. Und wenn das Bild fertig ist, setzen wir uns gemütlich zusammen und machen Brotzeit.
 
Wie wisst ihr, wohin welcher Sack muss?
Christian: Unsere Motive sind etwa 220 Meter lang und 50 Meter breit. Damit wir das hinbekommen, spannen wir zuerst eine Mittelachse, an der wir uns orientieren. Und von dieser aus wird das Motiv dann Stück für Stück vollständig. Das dauert schon fünf bis sechs Stunden etwa. Wenn wir das geschafft haben, dann grillen wir und machen uns erstmal einen gemütlichen Abend. Denn angezündet wird erst um 10 Uhr abends – dann ist es dunkel genug, dass man die Feuer von unten auch gut sehen kann. Dafür gehen wir immer paarweise: Einer hat das Rapsöl, einer die Fackel. Das soll ja schnell gehen, deshalb hat jedes Paar einen bestimmten Abschnitt, um den es sich kümmert. Die einzelnen Säcke liegen ein bis zwei Meter auseinander.
(c) Tiroler Zugspitz Arena / Foto Somweber
Ein wichtiges Thema ist mit Sicherheit der Naturschutz. Gibt es viele Rückstände nach den Sonnwendfeuern, die ihr beseitigen müsst?
Christian: Alles, was wir an Müll produzieren, nehmen wir sofort wieder mit runter. Also beispielsweise die Flaschen, in denen das Rapsöl war. Und dann schauen wir ein paar Tage später nochmal hoch, ob wir irgendetwas übersehen haben. Aber von den Säcken selbst verbrennt alles komplett, da bleiben keine unliebsamen Reste übrig. Darauf haben wir sehr geachtet. Außerdem befinden wir uns auf einem großen Geröllfeld. So können wir ausschließen, dass das Feuer auf die Umgebung übergreift.
 
Neben eurem gibt es in der Tiroler Zugspitz Arena ja auch noch viele weitere Motive am Abend der Sonnwendfeuer. Sprecht ihr euch mit den anderen Gruppen ab?
Christian: Nein! Es ist dementsprechend auch schon oft passiert, dass man beispielsweise zwei Kreuze oder Herzen oder so hatte. Aber das macht ja nichts und dann ist es spannend, wie die jeweiligen Gruppen ihres gestaltet haben.
 
Bekommt ihr denn von den anderen Motiven an diesem Abend etwas mit?
Christian: Von oben sehen wir schon relativ viele, aber nicht alle. Wir bleiben aber nicht dort – nachdem wir unser Motiv entzündet haben, gehen wir schnell ins Tal. Immerhin möchten wir unser eigenes Bild ja auch von unten sehen und schauen, wie es nach der ganzen Planung schlussendlich geworden ist. Wir genießen also denselben schönen Blick wie unsere Gäste.
Wo ist der beste Platz, um die Sonnwendfeuer anzuschauen und alles mitzubekommen?
Christian: Im Moos, also auf der Fläche zwischen Ehrwald, Lermoos und Biberwier. Dort ist es wirklich am schönsten, denn man hat einen tollen Rundumblick ohne Hindernisse im Blickfeld.
 
Und eine letzte Frage: Wie lange machst du bei den Sonnwendfeuern noch mit?
Christian: Auf jeden Fall bis ich 60 bin. Das sind drei Jahre, die möchte ich definitiv dabei sein. Und danach reicht es dann auch – vielleicht. (lacht)

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